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Geschichte

Katholischer Gesellenverein Bösensell 1930 – 1936

Im Jahr 1930 wurden die Bösenseller Hugo Backmann, Heinrich Speckmann und Hubert Höller aktiv im Sinne Papst Pius XI., der unermüdlich die Katholische Aktion der Laien förderte. Sie besprachen mit Vikar Joseph Köddewig die Gründung eines Gesellenvereins. Heinrich Speckmann ging in die Familien, um für Kolping zu werben. Im Juli 1930 fand im Lokal Wessing eine Vorversammlung statt, in der die Ziele und Aufgaben des Gesellenvereins dargestellt wurden.

Schon am 6. August 1930 ernannte der Bischof von Münster, Johannes Poggenburg, in einem feierlichen Schreiben Vikar Joseph Köddewig zum Präses des Vereins. Bei der Gründungsfeier am 21. Dezember 1930 wurden 30 Mitglieder aufgenommen; 27 bezahlten einen Monatsbeitrag von 35 Reichspfennig, 3 Arbeitslose bezahlten 25 Reichspfennig. Zum Vorstand gewählt wurden: Hugo Backmann, Heinrich Speckmann und Hubert Höller. Es setzte sofort rege Tätigkeit ein. Aus dem Jahre 1931 existiert noch ein Beleg von der Wanderfürsorge, der besagt, dass wandernden Gesellen Nachtquartier mit Frühstück, Mittag- und Abendessen kostenlos angeboten wurde.

Leider gingen die Unterlagen (wie Mitgliederausweise oder Wanderbücher) der in Bösensell beheimateten Kolpingmitglieder verloren. Erhalten blieb nur das Wanderbuch des Kolpingbruders Alois Ahlers, der zur Zeit der Gründung des Gesellenvereins Bösensell in der Schneiderei Wiesmann tätig war. Aus diesem Wanderbuch sind einige Auszüge abgebildet. Das Buch enthält für das Jahr 1930 mehr als 30 Übernachtungseintragungen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands, so z.B. aus Berlin, Bremen, Breslau, Frankfurt am Main und Frankfurt an der Oder, ferner Koblenz, Mittenwald und Regensburg, um nur einige zu nennen. Der Kolpingbruder Alois Ahlers starb am 19. September 2004 in Horstmar-Leer im Alter von 95 Jahren.

Aus einer handgeschriebenen Textfolge geht hervor, dass am 6. Dezember 1933 eine Nikolausfeier stattfand, zu der ein Gewand bei einem münsterschen Kostümverleih aus geliehen wurde. Anlässlich dieser Feierstunde wurden Spekulatius für 14,50 Reichsmark und 125 Zigarren für je 5 Reichspfennig gekauft. Man feierte bescheiden, aber man feierte. 1933 wurde eine Kolpingfahne zum Preis von 12,00 Reichsmark angeschafft, die in einer Feier zum Andenken an den Gründer Adolph Kolping geweiht wurde.

Das Programm dieser Feier ist mit „Treu Kolping“ und „Heil Hitler“ unterschrieben. Man hoffte auf eine Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus, nachdem im Juli 1933 das Konkordat mit dem Vatikan abgeschlossen worden war. Bittere Realität wurde die zunehmende Missachtung des Konkordates durch den Nationalsozialismus, ebenso auch der Erlass Himmlers, der allen kirchlichen Vereinen jede Betätigung verbot, die nicht rein religiöser Art war. Das gab der Gestapo die Möglichkeit, gesellige Treffen der Kolpingsöhne zum Anlass für Verhaftungen zu nehmen. Schnell erstarb das blühende Vereinsleben.

Neuer Beginn der Bösenseller Kolpingsfamilie 1959

Aus dem katholischen Gesellenverein war schon 1933 die „Deutsche Kolpingsfamilie“ geworden. Daraus entwickelte sich nach 1945, als Kolpings Anliegen weltweit aufgegriffen wurde, das Kolpingwerk mit örtlichen Kolpingsfamilien. Dieser Strukturwandel erwies sich als segensvoll, da keine Nation einen Führungsanspruch mehr erheben konnte, aber alle Völker, alle Berufs- und Altersgruppen und auch die Frauen gewonnen werden konnten. In Bösensell vergingen 23 Jahre bis zur Neugründung der Kolpingsfamilie. Krieg und Nachkriegszeit hatten Not und Leid über viele Menschen gebracht. Die notwendige Neuorientierung im beruflichen und wirtschaftlichen Leben forderte alle Kräfte. So war es diesmal der Ortsgeistliche, Vikar Johannes Werres, der die Gemeinde auf Kolping und sein zeitloses Sozialwerk hinwies. Es bedurfte nur eines leisen Anstoßes, und sofort meldeten sich Interessenten, alte und junge. Am 28. Dezember 1958 wurde auf einer Versammlung die Neugründung der Kolpingsfamilie BösenseIl beschlossen und am 19. April 1959 feierlich vollzogen.

 

Der Tag begann mit einer Heiligen Messe in der Pfarrkirche. Spruchbänder mit Leitsätzen Adolph Kolpings, Fahnenschmuck an den Häusern und feierliches Glockengeläut waren der äußere Rahmen, als 12 KoIpingbanner der Nachbargemeinden zum Hochamt in die Kirche einzogen. Diözesanpräses Schmitthausen zelebrierte das Messopfer und hielt die Festpredigt. Die Westfälischen Nachrichten berichteten, „dass er ein eindrucksvolles Bild des Handwerkers und Priesters Adolph Kolping gezeichnet habe, der zur gleichen Zeit mit Marx in Köln gelebt hat“. lm Gegensatz zum gottfeindlichen Marxismus, dessen Geist und Ungeist heute unheilvolle Formen in allen Gesellschaftsschichten angenommen habe, sei „das Werk Adolph Kolpings Liebe und Treue zu allen gottgewollten Einrichtungen und ein auf der ganzen Welt verbreitetes Bildungswerk junger Christen“. Die Messfeier, so die Zeitung, habe bei allen Gläubigen einen tiefen Eindruck hinterlassen.


Die Gemeinde nahm regen Anteil an der feierlichen Neugründung. Bei dem Festakt im Saale Temme konnten als Vertreter der politischen Gemeinde der Bürgermeister Hubert Schulze Zumkley, für den Gesangverein Josef Zumkley-Kleymann, für den Schützenverein Theo Lütke-Finkenbrink und für die Schule Hauptlehrer Karl Meintrup begrüßt werden. Ein besonderer Gruß galt dem Pfarrer von Bösensell, Julius Becks. Der Diözesanpräses verlas die Gründungsurkunde und überreichte sie dem Präses, Vikar Johannes Werres. Der Senior Werner Lenfers verlas das Treuegelöbnis, das von den 47 neuen Kolpingsöhnen wiederholt wurde. Der alte Präses, Pfarrer Joseph Köddewig, sandte ein Glückwunschtelegramm, worüber sich alle freuten. Am Abend fand im Saale Temme ein Familienfest statt. Schon bald hatte die wiedergegründete
Kolpingsfamilie ihren Platz im kirchlichen und sozialen Leben der Gemeinde. Der erste Vorstand setzte sich zusammen aus dem Senior Werner Lenfers, dem Schriftführer Hubert Mersmann und dem Kassierer Josef Evels. Zum Altsenior wurde Wilhelm Evels gewählt. Der Vorstand wechselte im Laufe der Zeit, ebenso die Art und Form der Veranstaltungen.